Braucht man für den großen Soloauftritt ein großes Outfit? Ich, als Alleinlebende, denke nicht.

Seit ich allein lebe hege ich keine Ambitionen mehr, mich in edle Garderobe zu werfen. Mein Leben allein ist ein Leben in Unterwäsche und ausgebeulten Jogginghosen. Karl Lagerfeld würde nun pikiert seine Sonnenbrille anheben und mich, mit hochgezogenen Augenbrauen, von unten bis oben zu mustern. Schließlich sagte der Modezar im O-Ton: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“.

Das dürfte dann auf den Kardashian-Clan und mich zutreffen. Doch selbst Kim hat es, trotz des Faibles für Jogginghosen, auf das Cover der Vogue geschafft. Mich, die ebenfalls begeisterte Trägerin, lässt das Hoffnung schöpfen. Mein gesellschaftlicher Abschuss ins Nirvana ist noch nicht besiegelt. Trotz der Tatsache das sich mein Stilempfinden, mit dem Passieren meiner Wohnungstür deren Größe anpasst (32 qm²).

Dabei habe ich für Alleinlebende fantastische Nachrichten. Eine Studie aus dem British Journal of Psychologie besagt, dass intelligente Menschen lieber allein sind.

Mag also sein das uns der Postbote öfter mit einer Frisur à la Albert Einstein erwischt, dafür wandern wir aber auch auf seinen Spuren.

Der Relativitätstheoretiker hielt es mit dem Stil in den eigenen vier Wänden auch bescheiden. Einst kündigte sich bei ihm hoher Staatsbesuch an. Seine Frau warf einen abschätzigen Blick auf ihren klugen Gatten und seine schlampige Garderobe. Doch der souveräne Einstein sagte nur, dass der Visiteur gern einen Blick in seinen Kleiderschrank werfen könne, wenn der seine Kleidung sehen wolle.

Nun mögen sich die Karl Lagerfelds und die ungebetenen Gäste dieser Welt über unser Wohlfühloutfit beschweren. Albert, unser Bruder im Geiste, hat eine passende Antwort geliefert. Wir hüllen uns in Intelligenz. Wir brauchen weder Sakko noch Pumps.

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12 Comments

  1. Ich glaube, dass du hier ein vielschichtiges Problem aufwirfst. Ich versuche mich kurz zu fassen … daher (reiße oder) überzeichne ich einige Sachen auch nur (an)

    a) Funktionalität
    Sollten Gegenstände nicht in erster Linie funktional sein? Ein Merkmal funktionaler Kleidung ist es, bequem zu sein … nebst vor Witterungseinflüssen zu schützen.

    b) Mode
    So lange etwas erschwinglich ist (Rohstoffe kosten ja nicht mehr die Welt bei uns), wird auch mehr Stoff verarbeitet, als nötig wäre (komplexere Schnitte mit mehr Abfall bei uns im Vergleich zu … sagen wir der Thorsberghose ). Und neu, anders muss es sein, um aufzufallen.

    c) Geschmack
    Ein Edeldesigner mit zernietetem Leder ist vielleicht nicht unbedingt das Maß der Dinge. So lange es dir gefällt, ist das doch in Ordnung.

    d) Klischees
    Und hier kommt das Problem. Wie stellt man sich eine verwahrloste Person vor, der zu hause im eigenen Unrat lebt und umgeben von halb leeren Flaschen billigen Fusels ist? Oder generell Menschen aus den unteren sozialen Schichten? (Die Klischees gehen scheinbar ineinander über … ich möchte dennoch erstere Gruppe NICHT mit zweiterer gleichsetzen!)
    Bei diesen Klischees kommen mir sofort Schlabbershirt und eine Jogginghose in den Sinn … vielleicht in knalligen Farben, oder eben leicht verdreckt.
    Aber Hand aufs Herz … nur, weil aus A und B miteinander korrelieren, folgt aus B nicht unbedingt A! (Mengenlehre und Statistik lassen grüßen 😉 ) Ich bekam vor Jahren mal eine für hier erhellende Antwort auf eine Frage, die mir damals nicht im Geringsten half. ich fragte einen bekannten Physiker, wie man sich auf einer Tagung kleiden sollte. Er meinte zu mir tatsächlich: “Solange da nicht zu viele Löcher im Pullover sind, ist es ok”. Zugegeben, diese Antwort ist selbst für Physiker drastisch, verdeutlicht aber wie beschrieben meine vorherige Aussage.

    Als Fazit würde ich sagen … was scheren die Meinungen anderer, im Besonderen, wenn diese das nicht einmal mitbekommen. Daher kann ich nur Mut für all jene aussprechen, sich selbst treu zu sein. Wenn man sich auf Biegen und Brechen anderen immer nur anpasst, eckt man vielleicht nicht mehr so stark an … aber Hand auf´s Herz … macht einen das dann so viel glücklicher?

    • MariaHutmacher Reply

      Zu A: Die Pragmatikern in mir gibt dir Recht. Die Ästhetin hingegen schaut sich auch gern Kleidung an, die alles andere als funktional ist. Und nebenbei bemerkt gibt es doch viele Kleidungsstücke die, ganz ohne bequem zu sein, eine Funktion erfüllen. High Heels zum Beispiel. Machen die nicht tolle Beine? Mal ganz abgesehen von Designerstücken, die eher Kunst als Kleidung sind und alles andere als tragbar.

      Und D; Die Klischees hast du ausgeweitet. (; Und beziehst du deine A’s und B’s auf deine oder meine Interpretation?

      • Ich verstand meine Punkte A bis D tatsächlich als allgemein. Insofern findet sich das von dir aufgeworfene Dilemma dort auch wieder. Die Frage ist halt, wie wichtig dir welcher Punkt ist, wie du diese bewertest.

      • MariaHutmacher

        Nun denn, ich denke das Kleidung tatsächlich keinen rein funktionalen Charakter hat. Auch Status, wie du so schön gesagt hast, spielt da eine Rolle. Selbst der Federschmuck der Indianer ging über den rein bekleidenden Wert hinaus. Ebenso gibt es Kleidungsstücke, die funktional kaum einen Zweck erfüllen, oder warum brauchen Frauen bitte Strumpfbänder? Beim Geschmack ist es tatsächlich so, dass es in erster Linie mir gefallen sollte. Trotz dessen bin ich ein soziales Wesen und mag es, Anderen zu gefallen. Die Klischees die ich anreiße und die du ausgeweitet hast, solltest du nicht zu ernst nehmen. Schließlich bin ich auch nur eine Autorin, die mit Übertreibung arbeitet. (;

  2. Und doch scheint am althergebrachten “Kleider machen Leute” – auch im übertragenen Sinne – was dran zu sein. Wenn MURKS schon die Frage nach der korrekten Kleidung für eine Tagung und die Antwort eines bekannten Physikers wiedergibt, könnte man hier ganz wunderbar auch die alte Geschichte von Max Planck und seinem Chauffeur zitieren:

    “Nachdem Max Planck 1918 den Physik-Nobelpreis erhalten hatte, ging auf Tournee durch ganz Deutschland. Wo auch immer er eingeladen wurde, hielt er denselben Vortrag zur neuen Quantenmechanik. Mit der Zeit kannte sein Chauffeur den Vortrag auswendig. „Es muss Ihnen langweilig sein, Herr Professor Planck, ständig denselben Vortrag zu halten. Ich schlage vor, dass ich den Vortrag in München bestreite, und Sie sitzen in der vordersten Reihe und tragen meine Chauffeur-Mütze. Das gäbe uns beiden ein bisschen Abwechslung.“ Max Planck war einverstanden, und so hielt der Chauffeur den langen Vortrag zur Quantenmechanik vor dem hochkarätigen Publikum in München. Nach einer Weile meldete sich ein Physikprofessor mit einer Frage. Der Chauffeur antwortete: „Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt wie München eine so einfache Frage gestellt würde. Ich werde meinen Chauffeur bitten, die Frage zu beantworten.“

    • MariaHutmacher Reply

      Eine ganz fantastische Anekdote. Ich schreibe sie mir hinter die Ohren und werde sie beiläufig in zukünftige Gespräche einfließen lassen. (;

    • Natürlich machen Kleider Leute. Alles, was wir an uns tragen, von den Schuhen bis zur Frisur, und auch unsere Handlungen (Benimmregeln, etc.) sind meist statusbezogen. Es passiert halt, dass das zum Selbstläufer wird. Im Spätmittelalter gab es Kleidervorschriften, dass bestimmte Farben nur dem Adel vorbehalten war. Um diesen Status zu imitieren, auf sich selbst zu beziehen, zahlten einst reiche Kaufleute Strafen, um auch solche Gewänder zu tragen.
      Die Frage, die sich mir aber nun stellt, ist, ob wir nicht in der heutigen Zeit weit genug sein sollten, Vorurteile kritisch zu hinterfragen?
      Aber dies ist eine ganz andere Debatte, meint ihr nicht? Die Ausgangsfrage drehte sich um “in den heimischen 4 Wänden” … also OHNE Fremde (und ohne Vertraute laut dem Titel). In diesem Kontext ist Statusdemonstration aus meiner Sicht quasi nicht vorhanden, sodass diese Abschweifung keinen Einfluss auf die Ausgangsfrage haben sollte.

      • MariaHutmacher

        Puh, ich musste direkt die Musik leiser drehen um nun, auf deine hochkomplexen Fragen, antworten zu können. Du beherrschst die Kunst deine Gesrächspartner zu verwirren, Herr Murks. Mag sein das wir über Vorurteilen stehen können, wenn wir das wollen. Doch das konnten die Menschen sicher auch vor 500 Jahren schon. Und erleichtert es nicht den Alltag, in Schubladen zu denken? Vielleicht ist es ein edler Charakterzug, über Äusserlichkeiten zu stehen. Doch tust du das immer?
        Aber selbstverständlich sprengen diese Fragestellungen den Rahmen, schließlich ging es tatsächlich um die “eigenen vier Wände”.

      • Em…danke 😉

        Natürlich erleichtert es den Alltag. Unser Gehirn ist doch quasi auf Mustererkennung programmiert. Und klar, ich schließe mich dabei nicht aus. Die Frage ist nur, ob man Schublade a oder b negativ (positiv) konnotiert und entsprechende Wertungen mit in die Schublade packt. Ich glaube, dass Schubladen nicht schlimm sind, man sollte nur Wertungen nicht mit hinein packen.

        PS.: Manchmal können Umwege fruchtbar sein und zu neuen Diskursen führen 😉

      • MariaHutmacher

        Und das ist garnicht so einfach. Das Nicht-Werten. (;

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