In der Liebe und Partnerwahl war die Auswahl nie so groß wie heute. Mit Tinder sind wir nur ein paar Wischer nach links vom großen Match entfernt. Wie vorm Käseregal im Supermarkt stehen wir vor der Qual der Wahl. Nehmen wir den Stinkigen mit Charakter oder den Milden, mit zarten Nuancen? Wir wischen uns durch die endlose Vielfalt an Möglichkeiten. Lässt uns das zu Konsumenten mit Entscheidungsschwierigkeiten werden?

Sara hat sich die App Tinder runtergeladen. Seitdem wischt sie in der S-Bahn nach links oder rechts, in der Hoffnung auf dem nächsten Bild ihr Match zu finden. Den Mann der sie vor lauter Verzückung um Kirschbäume tanzen und ihre Libido vibrieren lässt. Nach vielen Fahrten mit der S-Bahn und einem Krampf im Daumen vibriert bei Sara: Nichts.

Dabei hat sie sich so viel Mühe gegeben. Hat sich bei Elitepartner angemeldet, um mit dem Babys mit altdeutschen Namen zu bekommen. Hat Fotos für die jugendliche Frische wohldosiert überbelichtet. Doch bei Sara vibriert bloß das Mobiltelefon, nicht die Libido. „Was mach’ ich falsch?“, fragt sie sich. Der Teich ist voller Fische und an ihrer Angel hängt kein einziger.

Sara plagt das Herzeleid und nicht nur sie ist betroffen. Die Menschen hinter den Tinder- und elitepartner.de – Profilen sind es auch. Dabei verliebt sich doch alle 11 Minuten ein Single über Parship. Dank dieser tüchtigen Kuppler sollten es kontinuierlich weniger von ihnen werden. Doch trotz Datingwebsites und ihrem reichhaltigen Angebot ist es eng, im Jammertal der einsamen Herzen.

Liegt Saras Dilemma an dieser Fülle der Möglichkeiten? Sie hat ein Profil bei Tinder, Parship und Elitepartner und es ist schon schwer genug, die richtige Sorte Käse zu erwischen. Wenn Sara sich nicht zwischen Gouda und Camembert entscheiden kann, wie soll sie es zwischen Männern tun? Nimmt sie tom87, den „Kuschelbären mit den breiten Schultern zum Anlehnen“, versagt sie bigthing, dem Tindermatch das laut eigenen Aussagen das „big“ nicht nur im Namen hat.

Sara ist eben ein Kind ihrer Zeit. Eine wahre Angehörige ihrer Generation Maybe*, die sich nicht entscheiden und alle Möglichkeiten (denn es sind viele) offenhalten möchte. Vielleicht will sie wirklich eine Beziehung. Vielleicht aber auch nicht, denn ihr Mr. Big möchte sein „bigthing“ nur für eine Nacht auspacken. Dann wird weitergewischt und hinter jedem könnte ein noch größeres Ding – oops, ich meinte natürlich Match – stecken. Ein besser Partner X, als der den man vom Bildschirm gewischt hat. Vielleicht auch ein Elitepartner*².

* Bist du zwischen 25 und 35 Jahre alt, bist du eine/r von uns. 

*² Darf man den eigentlich zurückgeben, wenn er arbeitslos wird?

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