Ich schlafe gerne lang. Dafür musste ich mich schon oft rechtfertigen. 

Es ist morgens Halbzehn in Deutschland. Andere fleißige Arbeitsbienen sitzen schon in ihren Autos oder der Betriebsküche und verspeisen ihr erstes Knoppers. Während ich mich nochmal gemächlich in meiner grauen Jerseybettwäsche umdrehe. Mit Schlaf in den Augenwinkeln und Haaren wie Tingeltangel-Bob blinzle ich müde meinen Freund, Michel, an. Der hat einen rechtschaffen Job der ihn, regelmäßig früh am Morgen, aus den samtweichen Federn zwingt. Ebenso regelmäßig nutzt er die Situation um mich, die faule Langschläferin, aufzuziehen. Dabei bekommt er seine Augen auch nur dank Kaffee auseinander. Mit dem heiß dampfenden Pott steht er dann, wie ein Mahnmal, vor dem Bett. Den erhobenen Zeigefinger fügt meine Phantasie hinzu.

Denn Michel nutzt seine Zeit am Morgen stets sinnvoll, indem er zwei Dinge auf einmal erledigt. Unterhosen überstreifen und Predigten halten das beherrscht er, dank seines Meisters im Multitasking, gleichzeitig. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, näselt er mit seiner verschnupft klingenden Morgenstimme. „Überleg’ dir mal was du alles schaffen könntest, wenn du früher aufstehen würdest!“. „Du könntest ja auch mit mir aufstehen.“ Die Kampfsprüche meines eifrigen Hausfreundes erreichen mich durch den wabbernden Nebel der Schlaftrunkenheit.

„Du willst dich doch nur selbst beweihräuchern“, gähne ich. „Ja ja, warum hat der Teufel die Großmutter erschlagen?“, fragt Michel beleidigt zurück. Ich tue so als würde ich überlegen. „Na, weil er keine Ausreden mehr wusste“, so beantwortet er selbst seine hypothetische Frage. Inzwischen ist er vollständig bekleidet und bereit, in die Pedalen zu treten. Mein viel schaffender Frühaufsteher macht sich auf den Weg zur Arbeit und lässt mich, mit einem schlechten Gewissen, zurück.

Dabei müsste ich das garnicht haben. Immer mehr Studien bestätigen, dass Menschen sich in ihren Biorhythmen unterscheiden. Es gibt Eulen und Lerchen* oder auch; Langschläfer und Frühaufsteher. Der arbeitsame und immer pünktliche Deutsche will das vielleicht nicht hören. In einer leistungsorientierten Gesellschaft wie wir es sind, hat man es als Langschläfer schwer. Ich spüre das immer wieder.

Michel attestiert mir dann ironisch Faulheit. Dabei laufe ich nur zu anderen Zeiten zu Höchstform auf. Abends bin ich Einstein, morgens Walking Dead. Deswegen ziehe ich es vor zu schlafen, während woanders Zeitungen in die Vorgärten geschmissen werden.

Dann träume ich, wie heute, von Dänemark und Camilla Kring. Die hat die B-Gesellschaft gegründet. Ein Verein der sich für einen besseren Ruf der Spätaufsteher einsetzt. In meinen Träumen trägt sie ein Superheldencape und kann fliegen. Von dort oben sieht sie Frühaufsteher zur Arbeit fahren, die sich gerne über Langschläfer wie mich belustigen. Michelino, auf seinem Fahrrad, ist auch dabei.

Heute Nachmittag wird er nach seinem Feierabend die Beine hochlegen. Ich werde dann noch an meinem Küchentisch sitzen und schreiben.

*… und die Grauzonen; Schlaftypen, die zwischen Eule und Lerche liegen

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2 Comments

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