Lese hier: Noch einen Text über Helikopter-Eltern und eine Kindheit, ohne sie. 

Die Jahre meiner Kindheit glichen einem Minenfeld mit potenziellen Gefahren. Doch über mein Überleben wundere ich mich nicht. Meine Eltern hätten sterben müssen: Vor Sorge. 

Schließlich habe ich stundenlang Molche aus dem Gartenteich gefischt. Niemand beobachtete mich dabei. Ich war allein. Meine Mutter saß nicht mit ihrem Fernglas auf dem Hochsitz. Vor Schlingpflanzen oder Haiangriffen hätte sie mich also nicht retten können. Ähnlich war das in anderen Situationen. Ein Wunder, dass meine Haare nie schwarz gefärbt zu Berge standen, vom Griff in die ungeschützte Steckdose. Vom Dachsturz hätte ich wie Brei auf dem Hof liegen müssen. Doch zum Glück bin ich noch am Leben. Trotz der Laissez-faire-Haltung meiner Mutter, der kindlichen Erziehung gegenüber.

Auch mein Bruder wurde mit Freiheit und Vertrauen verwöhnt. Als kleiner Junge durfte er schon mit Messern spielen. Denn meine Mutter war der Meinung, dass zu viel Respekt vor einer scharfen Klinge die Angst nur schüre. Und die wiederum hätte ihn unsicher mit dem Schneidewerkzeug gemacht. Tatsächlich ging ihr Erziehungskonzept auf: Bis heute wurde er noch nicht mit Verdacht auf Harakiri in die Notstation eingeliefert. 

Nun würde so manch besorgtes Elternteil das Messer in Watte packen. Und häufig sehe ich Mütter oder Väter in Zeitlupe und im Sturzflug. Nur weil der kleine Leon-Michel mit undefinierten Schritten in Richtung Steckdose läuft. Aus Eltern werden Überwachungsmaschinen, die ihr Kind keine Sekunde aus den Augen lassen.

In Anbetracht dieser Entwicklungen möchte ich meiner Mutter danken. Dafür, dass sie den Mut hatte, mich allein zu lassen. Denn ich war schon damals ein Mensch, der Rückzug brauchte. Wäre ich Besitzerin eines „Nicht stören“-Schildes gewesen, es hätte oft aussen an meiner Türklinke gebaumelt. Doch nötig war es nicht. Denn ich durfte für mich sein und in Seelenruhe rummusseln. Danke, für meine Kindheit in Frieden. 

Diesen Post brachte ich dank dem Blog yvprysm aufs virtuelle Papier. Die Haptik fehlt, aber der Regenwald jubiliert. Die Kinder von Heute und die Erwachsenen von Morgen freuen sich auch. Denn für die, die es bis jetzt überlesen haben: Um die ging es bei der Blogparade mit dem Stichwort Kindheit. 

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3 Comments

  1. Jetzt weißt du warum ich immer schwarze Haare hatte, die mir zu Berge standen.

    • MariaHutmacher Reply

      Haha, deswegen. Weil du in die Steckdose gefasst hast. 😀

  2. Mir fällt auch noch was schönes zu den gewissen “Helikopter-Eltern” ein.
    Nur soviel vorweg. Ich wohne in einer Gegend, die Tallage hat, also es nicht so schnell minus 10 Grad wird oder schneit.
    Es lässt sich nicht verleugnen, dass wir im Dezember angekommen sind, dennoch haben wir noch keine minus 5 oder minus 10 Grad gehabt.
    Ich bringe mein Kind in den Kindergarten, wohl bemerkt, in der Gruppe von meinem Kind gehen neben ihm noch 21 weitere Kinder. Ich komme mit meinem ihm in den Umkleideraum und schaue an die Garderobe und denke mir so, oh heute sind anscheinend 42 Kinder in der Gruppe. Warum denke ich mir das? Nun ja, während ich mein Kind mit einer Wintermütze, Schal, Winterjacke und einer gewöhnlichen Kordhose mit innen Futter und ihm mit hohen Winterschuhen ausgestattet habe, sehe ich in der Garderobe einen Schneeanzug nach dem anderen aufgereiht inklusive Schneestiefel. Ich muss erstmal nach dem Kleiderhaken meines Kindes suchen, da die ganzen Schneeanzüge alles verdecken. Ich benötige schon gefühlte 5 min um mich durch den Schneeanzugwald zu wühlen nur um an die Hausschuhe meines Kindes zu gelangen. Wir haben zur Zeit ca.5 Grad, das Kälteste war minus 3 Grad. Und ich frage mich, was wollen die überbehüteten Muttis ihren Lieblingen anziehen, wenn wir mehrere Wochen minus 5 – -10 Grad haben. Gibt es da noch eine Steigerung? Ich könnte dann meinem Kind den Schneeanzug und seine Schneestiefel anziehen, die schon in den Startlöchern stehen, aber was ziehen die Muttis ihren Kindern an, die schon bei 5 Grad plus die volle Schneeausrüstung tragen? Astronautenanzug mit Neoprem darunter?
    Soviel zu den behüteten Kindern die schon bei 5 Grad Kälte in Watte gepackt werden.
    PS: Mein Kind hat noch nie gefroren. 😉 🙂

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