Manche Mütter und Väter werden zu leidenschaftlichen Erzählern, wenn es um ihre eigenen Kinder geht. Mich freut es für die Kleinen, wenn sie ihren Erzeugern vor Stolz die Tränen in die Augen treiben. Doch bei Monologen über die Klarinettenstunden des Nachwuchses bin ich eine schlechte Zuhörerin.

Glückliche Eltern stimmen besonders gern zu Familienfesten das Thema der eigenen Kinder an. Vielleicht weil sie wissen, dass die Anwesenden dort maximal für eine kurze Zigarettenpause ins Bad flüchten können. Dann muss man zurück an die Tafel, an der von den Ausbünden der Glückseligkeit geschwärmt wird. Die kleine Lena-Sophie nimmt nämlich seit kurzem Klarinettenstunden und ja; Ein wahres Naturtalent ist sie auch noch. Bald wird sie erste Konzerte spielen.

Erwachsene im Elternglück können lange Monologe über ihre Goldkinder halten. Hingegen wäre Steve Jobs mit seinen Keynotes ein schlechter Witz gewesen. Denn mit den Mini-Power-Point-Präsentationen, die mir freudestrahlende Eltern an ihren Smartphones zeigen, hätte der Apple-Gründer nicht mithalten können. Mit eingehenden Erklärungen wird mir da jedes Haarlöckchen der begabten Hoffnungsträgerin gezeigt. Bei all der Verzückung möchte ich der kleinen Lena-Sophie über ihren gelockten Kopf streicheln und ihr sagen, dass sie eine ganz, ganz Feine ist. Nur Leckerlis habe ich heute leider nicht dabei.

Doch letztendlich kann die Kleine nichts für die Lobeshymnen ihrer Eltern. Vielleicht halten die es bloß für spannender, über das hochbegabte Kind zu sprechen, statt über den Kauf der neuen Gartenschere. Oder die Eltern denken, dass der Glanz ihres Nachwuchses sie mit beleuchtet.

Das würde erklären, warum mir so selten belastendes Beweismaterial unter die Augen gehalten wird. Das Bild eines unausgeräumten Geschirrspülers zum Beispiel. Lena-Sophie hat es über ihr Klarinettenspiel nämlich schon wieder versäumt, ihren häuslichen Pflichten nachzukommen. Bei solchen Fotos könnten endlich Eltern mitreden, deren grobmotorischer Nachwuchs noch mit der Bastelschere Fensterbilder ausschneidet. Ausserdem würde das die Diskussion etwas farbiger gestalten und ich müsste zum Rauchen nicht die Toilette aufsuchen. Denn es langweilt mich vor Eltern zu sitzen die ausknobeln, wann ihrem Kind das Gehirn aus dem Kopf wachsen wird.

Deshalb bin ich auf die nächste Diashow, die musizierende Wunderkinder zeigt, vorbereitet. Mit einem Orden in meiner Tasche, der die brillanten Eltern dieser liebreizenden Geschöpfe auszeichnet.

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