Wer Müll sucht braucht nicht in die Tonne zu schauen, es reicht den Fernseher einzuschalten. Zumindest ist das die Aussage vieler Pessimisten des Kabel-TVs. Ich denke, sie haben nur zum Teil Recht. 

Viereckige Augen bekommt man vom Fernsehen und blöd macht es auch. Besonders wenn RTL oder Sat 1 über die Mattscheibe flimmert. Wenn man sich mehrere Stunden am Tag Formate à la Schwiegertochter gesucht anschaut, mag das stimmen. Herbert Müller, der die Frau fürs Leben sucht, hat keine anregende Wirkung auf die grauen Zellen. Eher scheinen sie transparenter zu werden, während Herbert seine Modelleisenbahn von A nach B schiebt. 

Doch wie bei jedem anderen Medium kommt es auf die Inhalte an, die der Mensch konsumiert. So sind Bücher auch nicht per se bildungsfördernd. Selbst wenn sie einen besseren Ruf haben. Hinter ihnen erwartet das Klischee Einsteins mit Brille.

Dabei gewinnt man mit der Lektüre von Groschenromanen à la Verbotene Leidenschaft auch keinen Intelligenzwettbewerb. Maximal das erotische Vorstellungsvermögen, von Vorstadt-Hausfrauen, erfährt hier eine Weiterbildung. Es macht wohl einen Unterschied zwischen Hawkings Kurzer Geschichte der Zeit, oder dem Wühltisch-Angebot. Entscheidet man sich für das Cover mit dem Renaissance-Playboy, ist das „gute“ Buch so inhaltsarm wie das Privatfernsehen.

Bücherwürmer haben folglich die Wahl. Die hat auch der kritische TV-Konsument. Der sollte das überdenken, bevor er den Marcel Reich-Ranicki macht. Schließlich wird keiner von uns, unter Drohungen, zur RTL-Berieselung gezwungen. Wenn der Konsum dieses Senders nicht schon die Gehirnwindungen geglättet hat, sollte einem die Fernbedienung in den Sinn kommen. Mit der kann man immer noch auf Arte oder 3sat umschalten. 

Dort bekommen die, die über Herbert und seine Partnersuche hinausdenken wollen, die Doku über die Revolution des Geistes, die sie gesucht haben. 

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