Dank Google ist jede direkte Kommunikation mit meinen Mitmenschen überflüssig geworden. Wenn mich eine Wissenslücke plagt kann ich sie einfach ins World Wide Web schreien und bekomme 1000 Antworten zurück. Mich wundert es nicht das mir da offline keiner mehr Fragen beantworten möchte. Wozu sollte mein Gegenüber die eigenen grauen Zellen bemühen, wenn die Smartphone-Synapsen viel schneller die gewünschten Antworten liefern?

Wenn mich in den 90ern als wissensdurstiges Kind eine Frage gepiesackt hat, habe ich sie meinen Eltern gestellt. So hab ich erfahren das die Welt früher nicht schwarz-weiß war, nur weil es die Fotos waren und das Doktoren nicht zwangsläufig Mediziner mit Stethoskop um den Hals sein müssen.

Inzwischen hat sich viel geändert. Mitte der 2000er Jahre war unser erstes, hauseigenes Modem noch so langsam, dass zwei simultan geöffnete Tabs zu ernsthaften Schwierigkeiten führten. Da ließ ich meine Fragen in Anbetracht der Wartezeit lieber Fragen sein um SIMS zu spielen. Jetzt – im Jahr 2018 – sitze ich vor einem Laptop mit dem ich 20 Videos gleichzeitig schauen und nebenbei noch Bitcoins minen könnte.

Dieses monetäre Hobby kann ich aber leider nicht pflegen da ich, auf Geheiß anderer Menschen, damit beschäftigt bin „einfach mal zu googeln“. Schließlich habe ich meinen Wissensdurst aus Kindertagen nicht ablegen können und nerve nicht mehr meine Eltern mit Fragen, sondern meine verehrten Mitmenschen. Doch die müssen, dank Smartphone und Smartwatch, nicht mehr wie in den 90ern nachgrübeln um mir mit eigener Denkarbeit eine Antwort zu liefern. Sie zücken ihr Gehirn aus der Tasche, weil sie’s nicht mehr im Kopf haben, und geben mir meine Ratlosigkeit mit einer Gegenfrage zurück: „Warum googelst du das nicht einfach?“. Was digital-ureinwohnerisch ist für: „Ich habe keine Lust darüber nachzudenken und mit dir reden will ich auch nicht“.

Dieser Satz ist wie wenn einem die Tür vor der Nase zugeschlagen wird, obwohl man gerade den Raum der Kommunikation betreten wollte. Jede Diskussion über die Frage ob Heidi Klum und Tom Kaulitz wirklich ein Paar sind oder ob bei der Himmlischen Familie wirklich alles so himmlisch war, wird weggegoogelt. Damit strengt mein Gegenüber zwar den Akku an, spart aber an Kraft die er sonst in Denkarbeit hätte stecken müssen. Schließlich weiß ja jeder von uns, dass Menschen stets nach dem Zustand des geringsten Energieaufwandes streben. Du weißt schon, Chemie oder Physik Realschulniveau, die Sache mit dem Grundzustand und dem angeregten Zustand und so weiter. Oder hast du das schon vergessen? Tja, ich könnte dir ja alles noch mal im Detail und mit Atommodell erklären. Aber… Wieso googelst du das nicht einfach?!

0
  •  
  • 1
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

2 Comments

  1. Hatten wir das echt in Chemie? Ich dachte die Energiegesetze sind eher physikalisch. Am besten ich google das noch mal. 😉
    Wie immer sehr schöner Text der auf amüsante Weise den Fokus auf einen anderen Blickwinkel lenkt.

    • MariaHutmacher Reply

      Vielleicht war es auch Bio. (; Da mir der naturwissenschaftliche Bereich immer ein Rätsel war, sollte ich mich auch nochmal an Google setzten und nachforschen.

Write A Comment