In Hollywood-Serien und Filmen erwachen Frauen oft erstaunlich schön. Perfekt gepudert und mit einem MakeUp, das Kim Kardashian vor Neid erblassen lassen würde. Authentisch geht anders.

Sharon wacht verkatert und mit einem Brummschädel auf. Die letzte Nacht hat sie für zehn Matrosen gesoffen. Doch das spielt keine Rolle, denn Sharon sieht amazing aus. Ihre Haare sind sexy verwuschelt und fallen grandios. Udo Walz würde vor Neid der Lockenstab aus den Händen fallen.

Während andere Frauen in Sharons Situation jetzt kaum noch die verquollenen Augen aufschieben könnten, strahlt sie wie Miss America. (Für den Weltfrieden, versteht sich.) Ihr MakeUp? Misswahlenverdächtig. Kim Kardashian träumt nachts von dem Contouring, das Sharon mal eben zum Aufwachen trägt.

Die platinblonde Leinwandschönheit hat trotzdem ein Problem. Sie larmoyiert und fasst sich, demonstrativ leidend, an den Brummschädel. „Ich fühle mich furchtbar“, klagt sie mit der Stimme divenhaft ausholend.

Wirklich? Sharon sieht doch eher nach drei Wochen Malediven aus. Nicht nach einer durchzechten Nacht. Doch in Hollywood werden eben Träume wahr. Gestern noch voll wie zehn Matrosen und heute Miss America. In den USA trifft man noch auf die seltene Spezies Frau, die im Schlaf tatsächlich schöner wird. So schön das der Lidschatten über Nacht, quasi endogen und mit dem Entspannungsprozess, aus der Haut zu kommen scheint. Deswegen nennt man ihn wohl auch Schönheitsschlaf.

Vielleicht halten es ja die Regisseure, mit dem Wahrheitsgehalt solcher Szenen, ähnlich wie bei Actionstreifen. 40 Indianer (jeder von ihnen hat einen Body Count* von 200) zielen mit Pfeilen auf Indiana Jones. Keiner trifft. Vielleicht ist dieses Phänomen aber nur ein Indiz dafür, dass Hollywoods Perfektionsdruck über schauspielerische Authentizität geht.

Zu der gehört auch der berühmte „Mut zur Hässlichkeit“. So liefert Renée Zellweger in Bridget Jones eine Leistung ab, die sich tatsächlich mit amazing betiteln lässt. Sie zeigt sich im Bauchweg-Schlüpfer, mit Speckröllchen auf der Waage und vor allen Dingen: ungeschminkt. Auch nach einer durchzechten Nacht. Eine Story, die nicht mehr als eine leichte Komödie ist, setzt sie lebensnah um. Mit einer, allzeit Drei-Wetter-Taft-tragenden, Miss America namens Sharon wäre Bridget Jones nur ein Mädelsabend-Klamauk mehr. Doch bei Renée stellen wir den Sekt weg. Bei Sharon trinken wir noch einen Schluck.

Schließlich möchte ich die Schnapsdrossel Sharon lallend und mit lila Augenringen, bis zu den Lippen, sehen. Die Fahne sollte man förmlich durch den Bildschirm riechen können. Das wäre zellwegerische Authentizität und großes Kino.

*Body Count: Anzahl der getöteten Feinde

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