In Klassenzimmern wird der Kunstunterricht nach strikten Vorgaben abgehalten. Ist das im Sinne der Kunst?

Einst bekam ich in meiner Schulzeit die Aufgabe eine Zeichnung, nach impressionistischem Vorbild, anzufertigen. Nach mehreren Unterrichtsstunden stellte sich bei mir, künstlerische, völlig unimpressionistische, Zufriedenheit ein. Für meinen Geschmack gab es der Zeichnung nichts mehr hinzuzufügen.

Meine Kunstlehrerin war anderer Meinung. Von einem Monet sei das, was ich da zu Papier gebracht hätte, so weit entfernt wie der Vegetarier vom Fleisch.

In meinem jugendlichen Idealismus bestand ich aber darauf, dass Monet Zeit seines Lebens Brokkoli geschleppt hätte, beim Versuch Michelangelo zu kopieren. Der kleine Claude hätte seine Erfüllung darin finden müssen, Paletten im Blumenmuster anzuordnen. Denn er war der Sohn eines Großwarenhändlers und wäre es, bei einem unkreativen Unterricht wie diesem, sicher auch geblieben.

Sein Ansinnen Neues zu schaffen, gab aber dem Impressionismus seinen Namen. Nebenbei traf er beim Kunstbegriff ins Schwarze. Laut Wikipedia ist Kunst „ein menschliches Kulturprodukt und das Ergebnis eines kreativen Prozesses“. Kreativität ist wiederum „die Fähigkeit, etwas vorher nicht dagewesenes, originelles und beständig Neues zu kreieren“.

Auch Paula Modersohn-Becker, eine Malerin des Expressionismus, stieß mit ihrem Eigensinn bei ihren Lehrern auf Widerstand. Die hatten mitunter kaum Verständnis für ihre „groben“ Interpretationen auf Leinwand. Später wurde für ihre Werke ein Museum erbaut. Das erste überhaupt das eigens für eine Künstlerin erschaffen wurde.

Hätte sie auf ihre Lehrer gehört, wäre das nie passiert.

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