Vor kurzem machte ich in einem beschaulichen Kloster eine Fastenkur. Wie es mir in den Tagen ohne täglich Brot erging und ob ich es wieder tun würde, liest du hier.

Vor zwei Monaten beschloss ich, beflügelt von fastenden Familienmitgliedern und Dokumentationen zum Thema, es mit dem Nicht-Essen auch zu probieren.

Die Ärzte die ich auf der Mattscheibe sah schwärmten von den Auswirkungen, die das Auslassen der Mahlzeiten haben kann. So testete die Wissenschaft an krebskranken Ratten, ob Fasten die Chemotherapie positiv unterstützen kann. Das Ergebnis war: Ja, während die Tumoren der futternden Ratten weiter wuchsen, stagnierte das Wachstum bei denen auf Null-Diät oder ging gar zurück. Auch von Allergien geplagte Menschen erfuhren eine Verbesserung dieser, während sie auf Kur an der Buchinger*-Klinik am See lagen.

Begeistert von genesenden Ratten und Menschen im Liegestuhl am See buchte ich kurzerhand eine Kur die mich in ein Thüringer Kloster führen sollte. Vor mir hatte meine Mutter dort viele Male erfolgreich die Nahrungsaufnahme verweigert, warum sollte mir das nicht gelingen? Nachdem so wenig appetitliche Dinge wie ein Einlauf und ein starkes, wirklich ekelerregendes Abführmittel in meinen Koffer wanderten, dachte ich das mir der Hunger ganz von selbst vergehen würde.

Hunger

Pustekuchen. Tatsächlich dachte ich nach einem Loch im Magen an ersten Abend noch, dass es sich von selbst schließen würde. Doch es wurde größer. Wenn andere (nicht fastende) Gäste ihre mit Hühnchenschenkeln beladenen Teller an mir und meiner salzlosen Gemüsebrühe vorbeitrugen, taxierte ich das tote Fleisch wie ein ausgehungerter Wolf. Die Snackbar mit Vertrauenskasse wurde zu einer harten Willensprobe.

Alles was mich in den ersten Tagen von meinen Gedanken, die sich ausschließlich ums Essen drehten, ablenken konnte war die Gruppe. Zusammen sahen wir eine Reportage über Zucker. Donuts und Schokolade wurden auf dem Bildschirm gezeigt und während die Stimme aus dem Off sagte, dass der übermäßige Konsum dieser todbringenden Substanz zu Diabetes führen könnte dachte ich mit tropfendem Zahn an: Donuts mit Schokoladenglasur, Oreo-Kekse und Subway-Cookies. Dazu gesellten sich Fantasien von überwürzten Kesselchips und Fleisch. Noch nie zuvor war mein Appetit auf Fleisch so groß wie in diesen paar Tagen.

Statt das berühmte Fasten-High zu erleben fühlte ich mich ausgehungert und kopflos. Ich wurde heimgesucht von Tagträumen die mir ausschließlich das zeigten, was ich nicht haben konnte: Essen. Der einzige kulinarische Hochgenuss in diesen Tagen: Der Honig der wie eine süße Verführung auf dem Tisch stand und zum Tee gedacht war. Ich versüßte mit ihm nicht das Heißgetränk, sondern mein Leben.

Mein leerer Magen schien vor Freude ein paar Hüpfer zu machen, als es nach dreieinhalb Tagen hieß das wir vorsichtig mit trockenem Brot in’s Reich der Genüsse zurückkehren dürften. Der erste Bissen war befreiend wie der Regen nach der Trockenzeit. Er überspülte meinen eingesunkenen Magen mit Nährstoffen und Zufriedenheit. Die Synapsen in meinem Kopf schienen wieder den Kontakt zueinander zu suchen und gaben mir meine Denkfähigkeit zurück.

Dabei hatten viele meiner Mitstreiter die Kur weitaus wohltuender als ich wahrgenommen. Ihr Körper kam in den Zustand der das Fasten erträglich macht, er wandelte körpereigene Reserven in Energie um. So unglücklich wie mir erging es nur einer weiteren Teilnehmerin. Für die anderen war die Kur eine willkommene Auszeit vom Alltag, für uns waren es die Hunger Games bei Tee und Brühe.

Nur das Essen, dass schmeckte mir nach der Kur viel besser. Das Duplo, dass ich am Abend nach unserem Trocken-Brot-Debüt aus der Snackbar stibitzte, ist bis heute das beste das ich je essen durfte. Nie schmeckte Schokolade vollmundiger. So wusste ich nach der Fastenkur gerade reine Genussmittel wie Eiscreme sehr viel mehr als vorher zu schätzen. Ich aß bewusst und achtsam wie ein Zen-Mönch. Ich tat nichts nebenbei, schaute kein Netflix während ich mir meine Suppe reinlöffelte und laß beim morgendlichen Müsli kein Buch.

So glaube ich nach wie vor an die positiven Effekte die Fastenkuren auf den Körper haben können. Doch ob ich es noch einmal erproben würde um in den Zustand des reinen Hochgenusses zu kommen? Ich denke nicht bevor ich eine krebskranke Ratte bin.

Eine empfehlenswerte Dokumentation zum Fasten gibt es hier zu sehen.

* Otto Buchinger war ein deutscher Arzt und Begründer des Heilfastens.

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