Über Geld spricht man nicht und Geld macht nicht glücklich. Wer also viel davon wünscht, kann sich gleich einen Platz in der Hölle reservieren, um sein Kobe-Rind dort zu braten. Und da es nicht genug ist, nach seinem Ableben in der Unterwelt zu schmoren, schmort man auch zur Lebenszeit unter den Blicken der Mitmenschen, die gern ihren sperrigen Körper auf die Rückbank ihres günstigen aber umkomfortablen Dreitürers hieven. Hat Geld und der Wunsch danach zu Recht einen so schlechten Ruf?

Ich kann sie verstehen, die Menschen, die beim Thema Wohlstand an russische Oligarchen denken und finden, dass ihr Haus auch ohne Schwanenskulpturen im Entrée schön aussieht. Doch es gibt eine Grauzone zwischen dem im Stein gehauenen Federvieh und klapprigen Dreitürern auf Ebay. Nur sieht man das Geld eben da, wo es ausgestellt wird: Dort, wo der Hausherr in Öl über dem Kamin hängt oder dort, wo die russische Oligarchengattin ihr morgendliches Ei in Blattgold gewickelt verzehrt.

Die Toleranzschwelle des Otto Normal-Frühstückers wird bei solch dekadenten Tischzeremonien schnell überschritten. Während der sich seine Stulle beim Hausverlassen aus Zeitnot zwischen die Zähne klemmt, wird andernorts gemütlich der Kaviar vom Löffel gestrichen. Wenn dem armen Schlucker dann Karl Marx auf die Schulter klopft und sagt, die Verhältnisse seien nicht fair, ist das nachvollziehbar. In diesem Fall stimmt es: Geld macht nicht glücklich. Allerdings meint man damit das der Anderen, wusste schon George Bernard Shaw.

Leider sind die Gesichter der Anderen, der Oligarchen und der Kardashians, der positiven PR des Geldes nicht dienlich. Auch Trump mit seinem Lächeln ist nicht der König der Herzen und die Geissens bestätigen mit ihrer Existenz ein vielzitiertes Sprichwort: „Mit Geld kann man nicht alles kaufen“. Stilempfinden gehört leider dazu. Doch die Kunst des Sich-Kleidens wird Geringverdienern ebenso wenig in die Wiege gelegt und auch das bedaure ich. Immerhin fahren die Geissens mit ihren Ed-Hardy-T-Shirts komfortabel Lamborghini, während sich der stillose Habenichts seinen Hintern in einem klapprigen Dreitürer schmerzhaft sitzt.

So stimmt es wohl: „Mit Geld kann man nicht alles kaufen“. Aber, um es mit den Flying Lizards zu sagen, „What it don’t get, I can’t use“ – Was ich damit nicht haben kann, kann ich auch nicht nutzen. Ohne Geld besitze ich nicht die Freiheit, mir die Qualität meiner Stillosigkeit auszusuchen, da heißt es bloß Acryl oder Polyester. Ohne Geld habe ich noch nicht einmal die Freiheit zu entscheiden, wann ich mir meine Stulle zwischen die Zähne klemme, um zur Arbeit zu hasten.

Es bedeutet also mehr als ein in Blattgold gewickeltes Ei zum Frühstück. Geld strahlt mit seinen lebensverschönernden Eigenschaften nicht nur Anhänger gesunden Komforts und Ästhetinnen an. Es entfaltet seine Wirkung auch da, wo kein pompööser Harald Glööckler – Prunk gefragt ist. Wo der Mensch nach der Freiheit sucht, die in den Worten „finanzielle Freiheit“ steckt. Die bringt eine Zwanglosigkeit mit sich, die besser schmeckt als Fischeier auf Frühstücksei. Ein Leben frei von Fremdbestimmung, diesen Genuss kann keine kulinarische Delikatesse toppen.

Die Kritiker mögen sauertöpfisch das Geld beäugen und beanstanden, dass es nicht nötig sei zur Glückseligkeit. Ich brate mir mein Kobe-Rind in der Hölle und halte es mit Mae West die sagte: „Ich war arm und ich war reich und glauben Sie mir, reich ist besser“.

* Der Titel stammt aus dem Songtext der Flying Lizards.

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