Für meinen Ex Freund waren die Pixel entscheidender als der Film selbst. Ein Film, der seinen Qualitätsanspruch nicht erfüllen konnte, flimmerte gar nicht erst über unsere Mattscheibe. Bei uns war das ein Streitthema. Denn: Geht High Definition über die Qualität und über den Inhalt eines Films?

Gerade verschwindet eine Blondine im Bikini schreiend in dem Schlund eines Killerhais. Für Henno, meinen Ex Freund, und mich ein ganz normaler Mittwoch Abend. Paralysiert sitzen wir auf unserer grauen, fleckigen Couch, aus zweiter Hand, und starren auf unseren 1qm² – Bildschirm. Auf dem fliegen gerade Haie durch die Luft.

Sharknado heißt dieser geistige Leckerbissen. In diesem Stückchen Filmgeschichte werden Haie von einem Tornado aufgewirbelt und töten im Flug Menschen. Viel mehr gibt es zu der Story auch nicht zu sagen. Was da an Inhalt fehlt wurde aber an Pixeln draufgelegt. Henno und ich können nun die weiß blitzenden Zahnreihen, der reißenden Bestien, in High Definition bewundern. Für meinen Ex Freund ist das ein Pro Argument zu diesem Film.

Er mault gerne, wenn etwas nicht in High Definition gedreht ist. Mag wohl auch sein, dass bei 1qm² – Kinoformat porentiefe Reinheit gefragt ist. Doch gehört nicht mehr zu einem guten Film, als die bloße Qualität? Eine harmonische Melodie bleibt doch auch harmonisch, selbst wenn die Platte schon knistert vom hundertmaligen Abspielen. Während ein schlecht klingender Popsong, mit glasklarem Sound produziert, schlecht bleibt. So wie die Filme, die man nachts beim Zappen über Tele5 entdecken kann.

Sharknado mag mit einer Qualität in High Definition aufwarten, doch kann er mithalten mit Charlie Chaplins Der große Diktator oder den 12 Geschworenen? Die Protagonisten dieser Filme mögen nicht in feinstes HD gekleidet sein, der Stoff aus dem ihre Kleider sind ist trotzdem von hoher Qualität.

Während Henno und ich diskutieren, fliegen vor uns immer noch die Haie durch die Luft und reißen Löcher in die kreischenden Menschenmengen. Der vielsagende deutsche Beiname von Sharknado lautet übrigens: „Genug gesagt!“.

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1 Comment

  1. Liebe Maria,

    Ich glaube, das ist – wie so oft im Leben – eine Frage der Perspektive und der persönlichen Wertsetzung. Aus dir spricht eine Cineastin, der es wichtig ist, der Frage nachzspüren, ob die “Before Sunrise”-Helden Jesse & Celine einander wirklich lieben, ob Hollywood auch kritisch oder nur kitschig kann, oder eben ob High Definition Marilyn Monroe sehr entzaubert hätte. Und dein Ex? Na, sehr böse gesagt: Nur seinetwegen konnte dieser inhaltlich miese, aber sehr beeindruckend gemachte 3D-Film Avatar ein Megahit werden.

    Allerdings: Ihm vorzuwerfen, einen Film nur aufgrund der Optik zu sehen, ist der Sache nach derselbe Vorwurf wie der, ich würde eine lahme Kamelle ja nur rausholen, weil ein Filmkritiker ihn gelobt hätte. Und ja, wenn ich ehrlich bin: Neulich “quälte” ich sowohl meinen Freund als auch mich mit dem Film “Der kleine Tod” (ein französischer Film, der angeblich eine erfrischende Sicht auf Sexualität vermittelt). Dabei haben uns “Thor: Ragnarök” und “Noah” sehr gut unterhalten, obwohl diese “Perlen” vor Filmfehlern nur so strotzen (Gewehre zu Zeiten, in denen Jesus noch nicht existierte – na hallo!).

    Mein Fazit? Ich plädiere da für mehr Kommunikation. Mehr: Hol-mich-in-dein-Boot und Erklär-mal. Vielleicht kann dir der nächste HD-Junkie die Faszination des Wow-diese-porentief-reine-Sharkhaut-kann-ich-fast-fühlen näherbringen und du ihm den Charme des Chaplin? Da hättet ihr beide was von – Und vielleicht seht ihr dann Trash und Thalia-Neustarts im Wechsel? Allemal erfrischender als ein ewiger, nicht entscheidbarer Zank!

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