„Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an“, sagte Kurt Tucholsky. Heute, etwas mehr als 80 Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, nehmen sich die Menschen seinen Rat zu Herzen. Die Reiselust hat die Massen gepackt und ins Flugzeug verfrachtet. Was, wenn man nicht mitfliegen will?

Paule, mein begeisterter Hobbyfotograf, ermüdet mich mit Palmenstrandfotos. Eine Google-Bilder-Suche wäre ähnlich unterhaltsam. Er liebt es zu reisen und das auch zu zeigen, wie viele meiner Social-Media-Freunde auch. Ulla, die Schulkind-geplagte Grundschullehrerin auf Sabbatical zeigt ihre Erlebnisse ebenso gern wie Christoph, der nach dem Abi eine Pause in Australien einlegt und dessen Haare immer länger werden.

Viele Menschen sind mobil und reisen viel. Es ist en vogue, Flugmeilen zu sammeln. Doch was ist, wenn man keine Lust aufs Reisen hat? Und wenn, dann lieber in Mallorca am Strand liegt, statt wie ein großer Entdecker in Norwegen tauchen zu gehen oder in Australien liegengebliebene Quallen am Strand zu fotografieren?

Neulich unterhielt ich mich mit Micha, einem Bekannten. Er sagte mir das er nicht gern reisen gehe. Er bette seinen Allerwertesten lieber auf die heimische Couch. Das obligatorische Auslandsjahr hat er nicht in seiner Vita. Während Andere mal fix nach Asien jetten, schwimmt er lieber eine Runde in der Provinztherme.

Als ich die Schule verließ, stand das klassische Jahr Australien auch noch nicht auf der Karte. Work’nTravel war 2006 noch nicht so üblich wie heute. Für Realschülerinnen, wie ich eine war, schon garnicht. Heute bringen die, die ein paar Jährchen jünger als ich sind, ein perfektes Englisch von ihren Reisen mit nachhause. Mit im Gepäck haben sie Sticker, die sie auf ihre Koffer kleben wie militärische Auszeichnungen.

Fast als mutig empfinde ich da Michas Aussage, lieber Zuhause zu bleiben.

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