Spazierengehen ist die Kunst der Masse. Ich hingegen lustwandle gern. Durch Schlossparks, kleine Gässchen und fabelhafte Altstädte. Verspielte Türöffner begeistern mich. Statuen, an die Bildhauer ihr Leben verschwendet haben, auch.

So liebe ich es, Neues zu entdecken. Da kann mich die Kunst, die nichts Frisches bietet, sondern Altes, immer wieder überraschen. Und mit ihrer Detailverliebtheit haben unsere Vorfahren nicht nur Wasserspeier oder Kirchenschiffe geprägt. Auch unsere Sprache haben sie beeinflusst.

Das zeitgemäße Schlendern durch Reihenhausalleen kann bestenfalls mit dem Wort „Spaziergang“ umschrieben werden. Das Streifen durch pompöse Schlossparks hat mächtigere Worte verdient. Schließlich findet man handwerkliche Kunstfertigkeit an modernen Gebäuden selten. Dabei haben Bildhauer von damals die Grundlagen fürs „Lustwandeln“ geschaffen.

Parks, die von ihnen eine Schönheitskur bekamen, betrachtet man aufmerksam. Ein Plattenbaugebiet lädt kaum zum Flanieren ein. Man durchquert es möglichst schnell. Die glatten, grauen Oberflächen der Neubauten bieten wenig Finesse für die Augen. Ein Wort wie Lustwandeln kann hier nicht aufkommen.

Schade.

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