Ich stochere mit meiner Gabel im Essen herum. Zum dritten Mal in einer Woche wurde ich, weil Weihnachten ist, eingeladen. Zum dritten Mal kommt mir der Spruch „Hunger ist der beste Koch“ in den Sinn. Der Küchenchef muss von dieser Weisheit gehört haben. Die müden Salatfetzen auf meinem Teller erzählen mir davon, bevor sie gähnend ihr Leben aushauchen. Mein Steak blutet auch schon aus. Well Done hatte ich es bestellt. Das Essen heute ist es nicht.

Gestern und vorgestern war es kaum besser. Ein deutsches Restaurant das Genießbares anbietet, ist schwer zu finden. Die Suche nach dem Bernsteinzimmer könnte nicht komplizierter sein. Fragen Touristen mich nach einem guten deutschen, Restaurant in der Nähe, fällt mir keins ein.

Es sind nicht die deutschen Gerichte, die ich für unzureichend befinde. Klöße mit Rotkraut können himmlisch sein, wenn sie gut zubereitet sind. Das ist nur der Punkt, an dem es oft scheitert. Doch warum ist das deutsche Essen in Restaurants so schlecht?

Die Hälfte der Deutschen betrachtet den Preis als einziges Kriterium beim Lebensmittelkauf (Gesellschaft für Konsumforschung). Das heißt Ja-Käse statt Camembert, aus der kleinen Käserei. Ja, zum Kilo geschmacksneutraler Vanilleeiscreme. Ja, zum Hackfleisch für 2 Euro.

Wir Deutschen sind, glaubt man den Zahlen, keine Genussmenschen. Während wir nach einer halben Stunde das trockene Brot von gestern abräumen, sind die Franzosen noch bei der Vorspeise. Mit einer Vanilleeiscreme, oder dem Hack aus dem 2Kilo-Karton, möchte sich keiner solang aufhalten. Deswegen kann ich bierbäuchige Männer verstehen, die auf Kauflandparkplätzen ihre Rostwurst am liebsten hochkant runterwürgen möchten.

Mir scheint es, dass sich die Restaurants eher auf die „Geschmacksknospen“ dieser Menschen einstellen. Auf die Uwes und Heinz-Dieters von den Kauflandparkplätzen. Die bilden ein dankbares Publikum. Statt eines guten Essens, einfach ein großes zubereiten. Voila und bon appétit!

Doch sollte es so einfach sein? Genuss ist Lust und Freude für die Sinne. Mit Analogkäseprodukten und wässerndem Fleisch aus Massentierhaltung töten wir nicht nur unsere Freude am Essen, wir schaden auch unserer Gesundheit. Wo Uwe und Heinz-Dieter müde mit den Schultern zucken, revoltieren meine Geschmacksnerven.

Ich mag keine labbrigen Salatblätter auf meine Gabel aufspießen. Auch nicht, wenn sie günstig sind. Beim Essen sollte schließlich der Geschmack überzeugen. Nicht der Preis. Ist man bereit das zu akzeptieren, bekommt man etwas unbezahlbares. Genuss.

0
  •  
  • 5
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

2 Comments

  1. Liebe Maria,

    da triffst du genau meinen Nerv! Ich habe einmal einen Artikel gelesen (ich meine er war von Jürgen Dollase, dem Restaurantkritiker der FAZ), in dem die deutsche Esskultur an sich, aber auch besonders miese Produkte (ich erinnere mich an den Salat, der wohl nirgends auf der Welt so drittklassig-billig ist wie in Deutschland) kritisiert wurden – unter eben deinen Gesichtspunkten. Jahrelang war billig-billig-billig eben das Motto der Stunde. Aber vielleicht können Gourmets wie du und ich was daran ändern. 😉

  2. Hallo Maria,

    das sehe ich absolut genauso. Erschwerend hinzu kommt, dass es nicht nur billig sein soll sondern auch immer sehr schnell gehen muss. Hauptsache der Magen ist gefüllt 😉 Obwohl man sich mit relativ wenig Zeitaufwand auch mal was gesundes zu Hause zaubern kann. Wenn man dann noch bereit ist mit dem schicken Auto (für wird das komischerweise immer sehr viel Geld ausgegeben wird) mal den kurzen Umweg zum Bioladen zu fahren, dann läuft das ganze 😉

Write A Comment