Das sagte Cher. Noch trägt die Diva ihren BH auf der Vorderseite, doch insgesamt soll sie mehr als 100 000 Dollar in Schönheitsoperationen gesteckt haben*. 100 000 Dollar zu viel, würden Gegner der chirurgischen Eingriffe sagen, nur auf deren Seite stehe ich nicht. Zeit für ein Outing.

Dr. Mang, der Schönheitsdoktor der Prominenten, hat in seiner Bodensee-Klinik einen Lift der direkt von der Tiefgarage in die Behandlungsräume führt. Was noch wichtiger ist: Der führt die Operierten auch unerkannt wieder heraus. Der Sichtschutz wäre aufgrund der möglicherweise nicht wiederzuerkennenden Gesichter nicht nötig**, doch es gibt ihn. Der Arzt der am Morgen gern eine Nase serviert bekommt (auf dem OP-Tisch, die Rolling Stones frühstücken später) hat die architektonische Besonderheit wohl nicht grundlos einbauen lassen.

Die Operierten möchten die Einstiche in ihren frisch aufgefüllten Gesichtern nicht auf dem nächsten Titelbild sehen. Normalverdiener die sich erst faltig arbeiten müssen, bevor sie bei Dr. Mang einen Facelift buchen können, sollen es auch nicht. Schönheitsoperationen finden eben nicht nur hinter verschlossenen Türen statt, weil ein Unterbrustschnitt und der ungewollte Anatomieunterricht so unappetitlich aussehen. Es ist auch nicht schick Bekenntnisse zu der Oberlippe abzulegen, die seit neustem Angelina Jolie imitiert.

Dabei bleiben Schönheitsoperationen oft nur so geheim wie sie unauffällig sind. Eine Bauchstraffung lässt sich beim nächsten roten Teppich unterm Dior-Kleid verbergen. Doch eine über Nacht aufgeploppte Oberlippe legt die Vermutung eines chirurgischen Eingriffes nah. Warum dann nicht einfach zu den Fillern stehen und stattdessen sagen, man hätte beim Auftragen des Lippenstifts ein wenig über den Rand gemalt?

Silikonimplantate und Botox kommen bei Verfechterinnen der natürlichen Schönheit nicht gut an. Vor allem weil die ja eigentlich von innen kommen soll. Um deren Stimme der Kritik, die aus naturbelassenen Mündern tönt, nicht hören zu müssen, schweigen postoperierte Damen vielleicht lieber. Vielleicht möchten sie auch selbst an die Lüge glauben, den Alterungsprozess verweigern und Hallo zu der ewigen Jugend sagen. Die aufgeploppte Oberlippe über Nacht? Nur die guten Gene, drei Liter Wasser am Tag und der viele Schlaf.

Dabei wäre es leichter sich zu den Nerveninjektionen und Implantaten zu bekennen, sobald man sie nach der Narkose erahnen kann. Ich fände daran nichts Verwerfliches.

Nur weil Schönheit von innen kommt heißt es ja nicht, dass sie es nicht auch von aussen tun kann. Und wenn Kritiker sagen das man sich lieben müsse, so wie man ist, frage ich mich: Sitzt mein Ich in meinen Brüsten oder in meiner Nase? Was würde wohl ein Buddhist zu dieser Frage sagen und wenn Ja: Wie schaffe Ich es dann überhaupt, diesen Text zu schreiben? Sollte mein inneres Selbst in meinen Brüsten sitzen, müssten die Beiden schleunigst versichert werden.

Wahrscheinlich wäre das aber eine Fehlinvestition. Wenn schon Geld in meine Brüste stecken, dann lieber mit einem Gang zum Chirurgen als zum Versicherungsmann. Denn ich hege keinen Groll gegen die Kreateure am OP-Tisch. Zum Einen weil ich nicht glaube, dass mein Selbst primär in körperlichen Attributen sein Zuhause hat. Zum Anderen weil ich als eitle Ästhetin Verständnis habe für Menschen, die ihre äussere Schönheit herstellen oder erhalten möchten. Ich will das auch.

Sollte dazu eines Tages ein Skalpell von Nöten sein, nehme ich den Hörer gern in die Hand und wähle die Nummer von Dr. Mang. Wenn dann ein Kritiker meine Entscheidung in Frage stellt, stelle ich ihm eine zurück: Wer reduziert da wen aufs Optische?

* Das besagen zumindest höchst vertrauenswürdige Promimagazine.

** Siehe Khloé Kardashian oder Bella Hadid.

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